Allgemeine Informationen

Hämotrope Mykoplasmen (früher Haemobartonella und Eperythrozoon) sind weltweit verbreitete, gramnegative Bakterien der Familie Mycoplasmatacea. Sie lagern sich auf der Oberflächenmembran von Erythrozyten an und können die sogenannte infektiöse Anämie verursachen.

Hund

Beim Hund sind bisher Mycoplasma haemocanis und Candidatus Mycoplasma haematoparvum beschrieben. Beide Stämme treten in Europa vor allem im Mittelmeerraum auf. Klinisch kommt es oft nur zu einer chronischen, asymptomatischen Verlaufsform. Akute Erkrankungen mit Fieber, Anorexie, Gewichtsverlust und Lethargie zeigen sich hingegen in erster Linie bei immunsupprimierten, splenektomierten oder mit anderen Erregern gleichzeitig infizierten Hunden. Auch Todesfälle sind möglich. Die natürliche Infektion erfolgt wahrscheinlich durch Vektoren, diskutiert wird v.a. die Braune Hundezecke (Rhipicephalus sanguineus). Eine vertikale Übertragung über die Plazenta und Milch ist ebenfalls möglich, auch Bluttransfusionen stellen ein Infektionsrisiko dar.

Katze

Bei der Katze sind derzeit drei verschiedene Hämobartonellen mit unterschiedlicher Pathogenität beschrieben. Neben dem als Ohio-Isolat bekannten Mycoplasma-haemofelis-Stamm und dem am häufigsten auftretenden California-Isolat, Candidatus Mycoplasma haemominutum, ist seit einigen Jahren ein weiterer Stamm, Candidatus Mycoplasma turicensis, bekannt. Letzterer wurde zuerst bei Katzen aus der Schweiz nachgewiesen, scheint in Deutschland jedoch eher selten vorzukommen. Während Mycoplasma haemofelis auch bei immunkompetenten Tieren eine schwerwiegende Erkrankung auslösen kann, verläuft eine Infektion mit Candidatus Mycoplasma haemominutum bei gesunden Tieren dagegen meist subklinisch. Coinfektionen sind möglich, diese gehen meist mit deutlicheren klinischen Symptomen einher als Monoinfektionen.

Die natürliche Infektion erfolgt wahrscheinlich durch Vektoren, diskutiert werden v.a. Flöhe, aber auch Zecken und stechende Insekten. Eine vertikale Übertragung über die Plazenta und Milch ist ebenfalls möglich. Auch Bluttransfusionen stellen ein Infektions­risiko dar, ebenso die direkte Übertragung von Tier zu Tier durch Bissverletzungen.

Klinische Symptome in der akuten Phase sind Anämie (hämolytische Anämie als Hauptsymptom), Fieber, Splenomegalie, allgemeine Schwäche und eventuell Polypnoe, Tachykardie sowie Ikterus. Die Ursache für die hämolytische Anämie ist die Hämobartonellen-bedingte Schädigung der Erythrozytenmembran. Durch die Veränderung der Erythrozytenoberfläche kann später auch eine sekundäre immunhämolytische Anämie entstehen, der direkte Coombs-Test ist in diesem Fall positiv. Bei der chronischen Infektion stehen Symptome wie Gewichtsverlust und intermittierendes Fieber im Vordergrund. Studien zufolge ist ein hoher Prozentsatz der Hunde- und Katzenpopulation infiziert, ohne dass die Tiere klinisch auffällig sind. Diese Träger stellen vor allem ein Risiko für die Zucht und bei Bluttransfusionen dar.

Kameliden

Eine Infektion mit Mycoplasma haemolamae kann bei betroffenen Tieren im akuten Stadium eine hämolytische Anämie verursachen. Infektionen können aber auch primär stumm verlaufen und zu chronischem Trägertum führen. Zu einem vollen Ausbruch des Krankheitsbildes kann es bei diesen Tieren in Situationen kommen, die mit Stress und / oder Immunsuppression verbunden sind.

Schwein

Die porcine Eperythrozoonose ist eine Infektionskrankheit, die von Mycoplasma suis (früher Eperythrozoon suis) verursacht wird. Die Erreger lagern sich an die Erythrozyten an (Adhäsion, Invasion) und bewirken eine Schädigung und Lyse der Erythrozyten, die durch die Bildung von Autoantikörpern verursacht wird. Diese verklumpen unterhalb der normalen Körpertemperatur („Kälte­antikörper“) die Blutkörperchen und führen zur Blutarmut. Einmal infizierte Tiere machen immer wieder Schübe der Blutarmut durch. Die Krankheit wird chronisch. Ältere Schweine sind nur latent infiziert und erleiden nur bei großer Schwäche wieder einen Schub. Der Erreger verbleibt lebenslang im Körper.