Mai

Allergie hat immer Saison, Hautsymptome wie Juckreiz und Urticaria wollen eine ätiologische Therapie, mit reinem Bekämpfen der Symptome kommen wir als Tierärzte meist nicht zum dauerhaften Erfolg. Die Kollegin Wagner hat deshalb noch mal kurz zusammengefasst, was wir in der Regel im Labor an verursachenden Allergenen ausmachen können. Auf einen Blick sichtbar: es gibt Allergene, die besonders häufig dabei sind, aber um eine Testung – ob nun über Haut- oder Bluttest – kommt man nicht herum. Für den einen oder anderen vielleicht auch überraschend: die Reaktionen auf Futtermittelbestandteile können ebenfalls vielfältig sein und sollten nicht vernachlässigt werden.

 

Hautsymptome bei Allergien

 

Erst beginnt der Pruritus, durch das Jucken kommt es zu Effloreszenzen (z.B. Alopezie, Schuppen, Krusten etc.) sowie sekundär zu bakteriellen Infektionen. Die Symptomatik kann sich aber auch als Urticaria mit oder ohne Juckreiz äußern.

 

Pferde reagieren häufig nicht nur auf die oft vermuteten Insekten, sondern auch auf Pollen, Hausstaub- und Vorratsmilben oder Schimmelpilze. Daher leiden viele allergische Pferde somit das ganze Jahr über an Symptomen. Wenn das Tier z.B. auf einige Insekten, Pollen und Milben reagiert, ist im Sommer die Allergenkonzentration durch das zusätzliche Vorkommen der Insekten und Pollen deutlich höher als im Winter, dadurch verschlimmern sich auch in dieser Jahreszeit die Symptome. Aber auch das Auftreten von Schimmelpilzen kann je nach Witterung saisonalen Schwankungen unterliegen. Umgekehrt tritt jedoch meist bei einem reinen Milben- oder Schimmelpilzallergiker gerade im Winter ein Allergieschub auf, da viele Pferde in dieser Zeit vermehrt im Stall stehen.

 

Folgende allergisch bedingte Hauterkrankungen und ihre Auslöser sind beim Pferd bekannt:

1. Atopische Dermatitis: Pollen, Hausstaub- und Vorratsmilben sowie Schimmelpilzsporen.

2. Insektenallergie (Culicoideshypersensitivität, Sommerekzem)

3. Futtermittelallergie: Hafer, Mais, Zusatzstoffe, Kümmelöl, Leckerli etc.

 

Häufigkeit der vorkommenden Allergene beim Pferd im Jahr 2016 siehe Abbildung 1-4.

Da sich die Symptome der atopischen Dermatitis, der Futtermittelallergie und der Insektenallergie oft ähneln und manche Pferde noch dazu ohnehin an mehreren Allergien gleichzeitig leiden, gestaltet sich die diagnostische Aufarbeitung oft schwierig.

 

Die RAO („recurrent airway obstruction“, früher COPD „chronic obstructive pulmonary disease“ genannt) ist eine Lungenerkrankung bei Pferden – ähnlich manchen Formen des menschlichen Asthmas. Auslöser sind hier ebenfalls Schimmelpilzsporen im Heu- und Strohstaub, aber auch andere Allergene, wie Pollen, Hausstaub- und Vorratsmilben aus dem Stallstaub sowie aus Futtermitteln. Je nach Vorliegen der Allergene kann die Erkrankung saisonal oder ganzjährig auftreten.

 

Die endgültige Diagnose Allergie ist eine klinische Diagnose aufgrund von Anamnese, Klinik und Ausschluss der Differentialdiagnosen. Mittels der verschiedenen Allergietests werden lediglich die auslösenden Allergene identifiziert.

 

Mit einem Blut-Allergietest wird der allergenspezifische IgE-Titer auf ein bestimmtes Allergen im Blut bestimmt. Vor der Blutabnahme müssen jedoch Absetzfristen von Medikamenten – besonders Kortison Präparate (auch Salben) – beachtet werden.

Das Therapieziel liegt immer in der Allergenvermeidung: dies ist bei der Futtermittelallergie gut, bei der Insektenallergie nur noch bedingt und bei den anderen Umgebungsallergenen meist gar nicht durchführbar. Beste Erfolge erzielt man mit einem Ortswechsel des Tieres (andere Teile des Landes, Almweide, Meeresniveau, Offenstallhaltung versus Boxenhaltung etc.). Um die Insektenzahl in der Stallumgebung zu minimieren, sollten stehende Gewässer eliminiert und Mist/Kompost entfernt bzw. die Tiere vor der Dämmerung aufgestallt werden. Auch Ventilatoren im Stall, Insektizide, engmaschige Insektengitter oder das Einsetzen von Fischen in Teichen kann eine Allergen-Reduktion zur Folge haben. Die Insektenkontrolle sollte mit gut wirksamen Fliegensprays (Permethrin – Achtung Stallkatzen!) durchgeführt werden. Auch eine Therapie mit Shampoo oder einfach nur das Abspritzen mit kaltem Wasser darf als unterstützende Maßnahmen nicht unterschätzt werden. Bei der Futtermittelallergie muss eine strikte Eliminationsdiät für zwei Monate eingehalten werden. Idealerweise besteht diese nur aus Heu/Gras und Wasser und – falls notwendig (Sportpferd) – maximal einer Getreidesorte.

 

Allergen-spezifische Immuntherapie (ASIT, Hyposensibilisierung) bedeutet die schrittweise Gewöhnung des Organismus an steigende Allergenkonzentrationen mit dem Ziel, allergische Reaktionen zu vermindern. Die ASIT wird bei Pferden bei all den o.g. Allergien und Symptomen sowie auch bei Headshakern erfolgreich eingesetzt. Basierend auf dem positiven Testergebnis und bei Übereinstimmung von Vorbericht und Symptomen (!!) stellt diese Therapie eine erfolgversprechende, in der Regel nebenwirkungsfreie Möglichkeit dar. Die durchschnittliche Erfolgsquote der ASIT bei Pferden mit Hautsymptomen liegt derzeit bei zirka 70%. Bei Pferden mit allergischen Atemwegserkrankungen zeigten sogar über 80% der Patienten eine sehr gute bis deutliche Besserung der klinischen Symptomatik und wenn der Therapiebeginn innerhalb der ersten 2 Jahre nach Auftreten erster Krankheitserscheinungen erfolgte, konnten diese Erfolgsaussichten sogar auf 86% erhöht werden.

 

Da Allergien nicht heilbar sind, wird eine ASIT bei gutem Erfolg – so wie auch alle anderen Behandlungsformen von Allergien – lebenslang verabreicht. Eine regelmäßige klinische Kontrolle der Therapie durch den behandelnden Tierarzt ist zu empfehlen, da manchmal Anpassungen in Bezug auf Injektionsintervall und/oder -dosis notwendig sind.

 

Da Allergie eine genetische Komponente aufweist, sollten allergische Tiere von der Zucht ausgeschlossen werden.

 

Wenn Sie mehr zum Thema Allergene und deren Vermeidung wissen möchten, empfehlen wir Ihnen das Buch „Allergene bei Tieren“ von Frau Dr. Wagner und Frau Dr. Hunsinger, das sowohl für Tierärzte als auch für Tierhalter interessant sein dürfte. Sie erhalten das Buch unter:

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