Endokrinologie des mittelalten und alten Pferdes

Tadros (MSU) stellte einen neuen Test zur Überprüfung der Insulintoleranz vor: ohne vorheriges Fasten wird eine Basalblutprobe zur Glukosebestimmung entnommen, di-rekt anschließend werden 0,10 IU/kg Insulin i/v injiziert. Nach 30 Minuten wird eine zweite Blutprobe für die Glukosebestimmung gezogen. In dieser sollte die Glukose <50% der basalen Glukose betragen. Für Tests, die ein Fasten voraussetzen, schlägt sie vor: 4 Stunden kein Körner- oder Kraftfutter, mäßig Heu ist erlaubt.

Bei den statischen Tests zur Abklärung einer Insulin Dysregulation (ID) ist die Insulin-bestimmung der sicherste Parameter. Kombinationen mit Body Condition Score (BCS), Leptin etc. brachten keinen zusätzlichen Nutzen. Ein hoher Insulinwert korre-liert mit einem hohen OBEL-Grad. Pathohistologisch stellt sich eine endokrin bedingte Rehe u.a. durch eine deutliche Verlängerung der Laminae dar („cellular stretch“). Es wird nochmal hervorgehoben, dass es bei dieser Art von Rehe zu sehr langen Krank-heitsverläufen kommen kann – u.U. bis zu einem Jahr. Ein Fasten vor Insulinbestim-mung (2 – 3 Stunden ohne Futter) wurde vorgeschlagen. Zu langes Fasten erhöht die Insulin-Resistenz! Therapiemäßig hat sich die Fütterung von eingeweichtem Heu als vorteilhaft herausgestellt. Studien zum Einsatz von Metformin und Velagliflozin (Glu-kose-Transporter-Inhibitor) zur Behandlung von EMS-Pferden laufen, ohne dass ver-lässliche Aussagen bis dato möglich wären (McGowan, Liverpool).

McFarlane (Oklahoma) forderte in ihrem Vortrag eine holistische Herangehensweise an die PPID-Abklärung: ein hohes ACTH-Ergebnis ist nicht gleichzusetzen mit einer Cushing-Diagnose. Cushing ist typischerweise eine Erkrankung älterer Pferde: 30% der Pferde über 15 Jahre entwickeln eine PPID. Ca 30% von diesen haben zusätzlich eine ID und sind besonders Rehe-gefährdet. Höhere ACTH-Werte können auch resul-tieren durch z.B. TRH, Melanotonin, bei anderen vorliegenden Grunderkrankungen, bei Adipositas, Schmerz und bei Schimmeln. Auch ausgehungerte oder anderweitig
geschwächte Pferde können erhöhte ACTH-Werte aufweisen. Die der PPID zugrund-liegende dopaminerge Degeneration entspricht dem humanen Parkinson. Beim Pferd nimmt es unbehandelt einen langsam progressiven Verlauf.

Aufgabe der Pars intermedia (PI)-Peptide ist es u.a. auch, die Pferde auf den Winter vorzubereiten: Anlage von Depots, Winterfell etc. Bei leichtfuttrigen Pferden mit ID ist die PI besonders aktiv. Daraus können deutlich erhöhte ACTH – Werte resultieren, ohne dass ein Cushing vorliegt. Die Spezifität von ACTH liegt bei ca 80%; das heißt: 20 % sind falsch erhöht; ausschlaggebend für die Diagnose ist daher immer auch die Klinik.

Für EMS-Pferde wurde die Empfehlung gegeben, 1,5% des aktuellen Körpergewichtes an Heu, welches zuvor 6-8 Stunden eingeweicht wurde, zu verfüttern. Außerdem wurde noch einmal darauf hingewiesen, dass Pferde mit subklinischer ID beim Auftre-ten einer systemischen Erkrankung sehr schnell mit einer Stoffwechselentgleisung re-agieren können: Hyperlipämie, hepatische Lipidose.

Wir hoffen, die Informationen sind für Sie von Interesse. Gerade der Hinweis, ACTH-Konzentrationen nicht alleinig zur Diagnose zu nutzen, sondern die Klinik zu berück-sichtigen, sehen wir als extrem wichtig an, damit nicht überdiagnostiziert wird.

Ein Hinweis aus dem Labor zur Bakteriologie:

Seit dem 1.1.2019 teilen wir den Vorgaben der TÄHAV entsprechend zusätzlich zur Angabe von resistent oder sensibel bei Antibiotikatestungen auch die minimalen Hemmstoffkonzentrationen mit. Bitte berücksichtigen Sie, dass diese absoluten Werte kein Hinweis auf die Wirksamkeit eines Antibiotikums sind. Vielmehr sind sie mit Bezug auf die zu erzielenden Gewebekonzentrationen zu sehen, die bei unterschiedlichen Wirkstoffen nicht identisch ausfallen. Die Beachtung von „R“ und „S“ ist nach wie vor für die Auswahl zur Behandlung zielführend.

Und zu guter Letzt: die zuchthygienischen Untersuchungen laufen wie gewohnt bei uns im Labor – entweder als reine Bakteriologie oder zusätzlich mit Mykologie, wenn so gewünscht – und schnellstmöglich.