Pferdebrief Februar

Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen,

 

gern melden wir uns nochmal mit einigen Nachrichten, die die Kollegin Wöckener aus den USA von der AAEP Annual Convention mitgebracht hat: 

Equines Parvovirus: Hier berichtete Divers (Cornell) über neue Erkenntnisse: Prävalenz - 13 von 100 gesunden Pferden sind Virus- und Antikörper positiv. 2/100 wiesen nur Antikörper auf. Krankheitsverlauf - Nach Inokulation kommt es zwischen Tag 55-100 zu einer Virämie und Serokonversion. Zwischen Tag 70-100 kann eine Erhöhung der Leberenzyme beobachtet werden, wobei die Pferde klinisch unauffällig bleiben. Pferde mit fulminant verlaufender Serum-Hepatitis („Theilers disease“) sind meist Parvovirus-Antikörper positiv! Eine Übertragung durch Parvovirus-kontaminierte equine Biologika wird vermutet. Bei Auftreten der Erkrankung liegt die Letalität bei mehr als 70% innerhalb von 36 Stunden. Eine zusätzliche auto-immune Komponente wird vermutet: Fohlen erkranken nach Inokulation trotz hochgradiger Virämie nicht.

Equines Coronavirus: Pusterla (Davis) berichtete, dass es bei 7,2% der an akutem Fieber erkrankten Pferden in Faeces nachgewiesen werden konnte (aus Nasentupfern waren nur 1,4% der erkrankten Pferde positiv). Obwohl es sich um ein enterisches Virus handelt, verursacht es bei Pferden kaum gastrointestinale Symptome. Zugpferderassen sind besonders häufig betroffen, außerdem Pferde im höheren Leistungssegment. Hauptsächlich Adulte erkranken und dies v.a. in der kälteren Jahreszeit. In Zuchtbetrieben tritt equines Coronavirus nur selten auf. Die Inkubation beträgt 2-3 Tage; die Transmission ist faeco-oral. Die Morbidität wird sehr unterschiedlich mit 10-83 % angegeben. Die Mortalität ist gering. Die häufigsten Symptome: Fieber, Anorexie, Lethargie – kein Nasenausfluss!

Für das ECoV steht bei Laboklin eine PCR zur Verfügung. 

Das Warmblood Fragile Foal Syndrome (WFFS) ist eine erbliche Bindegewebsschwäche, die sich bereits direkt nach der Geburt des Warmblut-Fohlens bemerkbar macht. Die Symptome sind vergleichbar mit dem Ehlers-Danlos-Syndrom beim Menschen. Die Haut ist extrem brüchig und reißt schon bei leichten Berührungen. Aufgrund der schlechten Prognose werden Fohlen mit WFFS kurz nach der Geburt euthanasiert.

Nicht alle Fohlen kommen nach einer normalen Trächtigkeit zur Welt, auch Frühgeburten und Aborte aufgrund von WFFS sind bekannt. Die Erkrankung wird autosomal-rezessiv vererbt.

Unter allen in unserem Labor in 2018 getesteten Warmblutpferden waren 15% Träger des Gendefekts, diese vergleichweise hohe Prävalenz macht züchterische Maßnahmen erforderlich, so besteht allgemein Konsens.

Laboklin hat für diesen Test die exklusiven Untersuchungsrechte des in Deutschland patentgeschützten Tests.

Bei der immunvermittelten Myositis (IMM) handelt es sich um eine muskuläre Autoimmunerkrankung beim Appaloosa, Paint Horse und Quarter Horse. Diese kann zu einer schweren Muskelatrophie führen, bei der das Pferd innerhalb von 72 Stunden bis zu 40% der Muskelmasse verliert. Umweltfaktoren in Kombination mit genetischer Anfälligkeit sind wichtige Auslöser für die Entwicklung von Muskelatrophie oder schwerer Rhabdomyolyse. Etwa 39% der IMM-Pferde leiden bereits seit Längerem an einem auslösenden Faktor wie z.B. einer Infektion mit Streptococcus equi subsp. equi oder EHV4.

Eine weitere klinische Präsentation der MYH1-Variante bei jungen Quarter Horses ist eine schwere, plötzliche Muskelschädigung, die nicht mit körperlicher Aktivität und nicht unbedingt mit Muskelschwund einhergeht (nicht-belastungsabhängige Rhabdomyolyse).

Der Erbgang für MYHM ist autosomal-dominant mit variabler Penetranz.

Auch für diese Erkrankung bietet Laboklin einen Gentest an.

Gerne legen wir Ihnen ein aktuelles Leistungsverzeichnis von Laboklin bei, das alle von uns für das Pferd angebotenen Tests auflistet mit Hinweisen zu Materialart und -menge, Besonderheiten im Gebiet der Präanalytik oder auch Einsatzgebiet in der Diagnostik. Gleichzeitig erhalten Sie einen Untersuchungsantrag Pferd, vom dem wir bei Bedarf gerne weitere Exemplare zusenden. Wir freuen uns mitteilen zu können, dass wir seit dem 1.1.2019 bei der bakteriologischen Untersuchung neben der allgemeinen Bewertung der Antibiotika auch die zugrunde liegenden MHKs mitteilen, gemäß der TÄHAV Vorgabe.

Gerne können Sie sich den Pferdebrief hier herunterladen.