FAQ Futtermittelallergie

Symptome: Welches sind die klinischen Hauptsymptome einer futtermittelbedingten Allergie? Kann reine Hautsymptomatik oder reine Magen-Darm-Symptomatik vorkommen?

Dermatologische Symptome variieren sehr stark von generalisiertem Juckreiz, lokalisiertem Juckreiz, Otitis externa (meist chronisch), Hauteffloreszenzen an der Kruppe oder allen anderen Lokalisationen sowie Pododermatits. Die Symptome des Gastro-Intestinal-Traktes ähneln meist einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung, wobei Vomitus, Diarrhoe und häufiger Kotabsatz im Vordergrund stehen. Selbstverständlich müssen nicht alle Symptome auftreten, um eine Futtermittelallergie zu diagnostizieren. Manche Hunde tendieren mehr zu Hauteffloreszenzen, andere wiederum leiden nur an chronischen Otitiden und wieder andere weisen nur eine wechselnde Kotkonsistenz mit häufigem Kotabsatz auf. Es kann somit eine reine Haut- bzw. eine reine Magen-Darm-Symptomatik vorkommen.

Symptome: Eine Katze hat ulzerative juckende Hautveränderungen v.a. im Kopf-/Halsbereich - kann dies auch futtermittelbedingt sein?

Ja, denn gerade Katzen reagieren meist mit Effloreszenzen im Gesicht und Halsbereich, wenn dem eine Futtermittel-Allergie zu Grunde liegt. Durch den starken Juckreiz kommt es zu Exkoriationen, die sich als ulzerative Hautveränderungen äußern können. Aber auch alle anderen Reaktionsmuster der Katze können vorkommen. Katzen benutzen ihre raue Zunge zum „Kratzen“. Dadurch äußert sich Juckreiz bei der Katze somit meist in vermehrtem Putzen, durch Belecken oder Benagen der Haut. Die Folgen sind Alopezien, wobei jedoch die Haut an diesen nackten Körperstellen meist komplett unversehrt ist. Ein weiteres klinisches Erscheinungsbild wäre die sogenannte „miliare Dermatitis“, wobei man beim Streicheln des Tieres viele über den Rücken verteilte kleine Krusten bemerkt. Auch die Ausprägung des „eosinophilen Granulomkomplexes“ kann futtermittelbedingt sein; hierbei sieht man oft Geschwüre an den Lippen, erhabene Hautveränderungen meist am Bauch oder eine streifenförmige Hautveränderung an den Hinterextremitäten. Besonders bei Katzen, die allergisch auf ein Futtermittel reagieren, sieht man sehr oft tiefe Kratzspuren im Kopfbereich (Exkoriationen), die sich die Katze durch den massiven Juckreiz selbst zugefügt hat.

Diagnostik: Wie wird lege artis die Diagnose Futtermittelallergie gestellt bzw. was versteht man unter „golden standard“?

Genau wie die klassische Allergie (atopische Dermatitis) ist auch die Futtermittelallergie eine klinische Diagnose. Eine ausführliche Anamnese unterstützt die Diagnose, eindeutig untermauert wird diese durch eine Eliminationsdiät (= Ausschlussdiät) mit anschließenden Provokationsproben.

Der serologische Futtermittel-Test dient dazu, ein Eiweiß und ein Kohlenhydrat, die im Allergietest  bei beiden Antikörpern negativ waren, für die Eliminationsdiät auszuwählen. Auch bzgl. Besitzer-Compliance ist der Test sehr hilfreich. Er diagnostiziert jedoch die Allergie nicht, sondern dient zur Allergenauswahl. „Golden standard“ ist immer die Eliminationsdiät mit der anschließender Provokationsdiät. 

Diagnostik, IgE/IgG: Welchen Unterschied liefert die IgE- bzw. IgG-Bestimmung im serologischen Futtermittel-Allergietest? Sind beide klinisch relevant? Wie ist das Ergebnis zu interpretieren, wenn nur eine Fraktion erhöht ist?

Bei der klassischen Allergie (IgE-mediiert, Sofortreaktion) treten die Symptome relativ kurz nach Futteraufnahme auf; dies ermöglicht, einen direkten Bezug zum Futter herzustellen. Bei den IgG-mediierten Allergien (Spätreaktionen) gestaltet sich die Diagnose dahingehend schwieriger, da sich die Symptomatik oft erst nach einigenTagen einstellen kann, und somit der direkte Bezug zum Futter nicht mehr eindeutig herstellbar ist. IgE-Antikörper reagieren somit sehr schnell und stehen für die Sofortreaktion des Immunsystems. IgG-Antikörper sind mit der verzögerten Reaktion assoziiert, jedoch sind beide klinisch relevant, und der Unterschied IgE versus IgG-mediiert ist klinisch oft nicht voneinander zu unterscheiden. Ein positives Ergebnis ist sowohl bei IgE wie auch bei IgG zu interpretieren, und das Tier sollte schlussendlich eine Eliminationsdiät durchlaufen, die nur Bestandteile enthält, die sowohl bei IgE als auch bei IgG negativ getestet wurden.

Diagnostik: Eine vielfach vorbehandelte Katze mit typischen Hautsymptomen, die eindeutig von einer futtermittelbedingten Allergie herrühren, ist im herkömmlichen serologischen Futtermittel-Allergietest negativ. Welche Ursachen kann das haben?

Eine Ursache dafür mag sein, dass das Tier mit Kortison-Depot-Präparaten gegen den starken Juckreiz vorbehandelt worden ist, was das Ergebnis des Allergie-Tests natürlich stark verändern kann (bis zu 3 Monate!). Weiterhin ist es möglich, dass das Tier an einer nicht immunvermittelten Futtermittelunverträglichkeit – der Futtermittelintoleranz – leidet, welche sich somit mit den herkömmlichen serologischen Futtermittel-Allergietests nicht diagnostizieren lässt. Hier ist das Diagnostikum der Wahl das Durchlaufen einer Eliminationsdiät. Es könnte in diesem Fall aber auch sein, dass das Tier vielleicht momentan unter einer Eliminationsdiät steht, und somit kein Allergenkontakt mehr stattfindet. In solchen Fällen liefert der Test somit falsch negative Werte. Aus diesem Grund empfiehlt es sich, den Sensi-Test stets VOR einer therapeutischen Diät durchzuführen.

Eliminationsdiät: Wie viele Eiweiß- bzw. Kohlehydrat-Quellen darf sie maximal enthalten?

Es sollte immer nur eine Eiweiß- und eine Kohlehydrat-Quelle verwendet werden. Nach 2-monatiger Diät kann dann versucht werden, dem Futter alle 14 Tage ein neues Allergen bei zu geben.

Eliminationsdiät: Kann bei einer Futtermittelallergie Gemüse und Obst gefüttert werden und wenn ja welche Sorten?

Im Prinzip sollte während einer Eliminationsdiät kein Obst und Gemüse verfüttert werden. Ein Problem ist hier im Besonderen proteinreiches Gemüse wie z.B. Bohnen oder Soja, da sie pures Eiweiß enthalten und daher im Prinzip genauso zu handhaben sind wie Fleisch.

Durch Provokationsdiäten kann dann nach und nach Gemüse bzw. Obst (immer nur ein Allergen alle zwei Wochen) zusätzlich getestet werden. Die größere Gefahr ist v.a. bei einem Atopiker, der gleichzeitig Futtermittel-Allergiker ist, dass Kreuzreaktionen besonders zwischen Pollen und Früchten stattfinden können (z.B. Birkenpollen und Äpfel bzw. Karotten) – auch bekannt unter dem OAS (orales Allergie-Syndrom). Der Birkenpollen ist in dieser Hinsicht sehr interessant, da er das „fresh fruit syndrome“ auslösen kann. Hierbei kommt es zu einer starken Kreuzreaktivität zwischen Birkenpollen und Früchten (speziell Äpfel) und diversen Gemüsesorten. Demnach sollte bei einer reinen Futtermittelallergie kein stark eiweißhaltiges Gemüse gefüttert werden. Bei Patienten, welche zusätzlich an einer Atopie leiden, muss man sich dieser Kreuzreaktionen aber stets bewusst sein.

Eliminationsdiät: Über welchen Zeitraum sollte sie mindestens durchgeführt werden, um einen Erfolg beurteilen zu können?

Um eine Aussagekraft zu erhalten, sollte eine Eliminationsdiät mindestens über einen Zeitraum von 8 Wochen erfolgen (in seltenen Fällen ist sogar noch länger nötig, da sieht man jedoch nach 2 Monaten zumindest schon eine Verbesserung der Symptomatik). Genauso erforderlich wären auch die danach durchzuführenden Provokationsproben, da diese Methode „golden standard“ ist, um eine Futtermittelallergie eindeutig zu diagnostizieren. Jedoch stellt sich hier meist das Problem, dass der Besitzer froh darüber ist, dass sein Tier endlich symptomfrei ist, und es deshalb keinen weiteren Experimenten aussetzen will.

Diät: Garantiert mir eine hydrolysierte Diät eine hundertprozentige Allergenfreiheit?

Bei einer hydrolisierten Diät liegen die Allergie-auslösenden Strukturen in ihre Einzelbausteine zerlegt vor und werden in dieser Form vom Immunsystem nicht als ganzes Allergen erkannt. Dabei können neben Proteinen (z.B. Fleisch, Fisch) auch Kohlenhydrat-Quellen (Reis, Soja etc.) im Futtermittel hydrolisiert vorliegen. Es gibt jedoch auch Tiere, die auf diese hydrolsierten Allergene reagieren, somit gibt es auch hier leider keine 100%ige Garantie.

Diät: Welche alternativen Kohlenhydrat-Quellen gibt es, wenn mein Tier auf herkömmliche Kohlenhydrate allergisch reagiert?

Hier wird geraten, auf alternative Kohlenhydrat-Quellen z.B. in gut sortierten Lebensmittelmärkten oder aus dem Reformhaus zurückzugreifen. Beispiele hierfür sind: Quinoa, Amarant, Hirse, Buchweizen (diese 4 sind auch glutenfrei), Maniok (Tapioka), Kürbis, Süßkartoffel, Yams, Tapioka.

Achtung – Dinkel, Grünkern, Emmer, Durum, Kamut, Khorassan, Einkorn, Bulgur sind alles Unterarten vom Weizen! Dinkel wird von manchen Weizenallergikern vertragen, es gibt jedoch keine 100%ige Garantie dafür.

Diät: Ein Patient bekam jahrelang Rentier und Kartoffel zu fressen und hat dies bestens vertragen, doch jetzt besteht der Verdacht, er könnte nun auch darauf allergisch sein. Ist das möglich?

Es gibt natürlich Allergiker, bei denen man Diäten wechseln und anpassen muss, da sich durch neuen Allergenkontakt neue Sensibilisierungen entwickeln können. Es ist somit durchaus möglich, dass ein Patient eine Diät, die jahrelang funktioniert hat, von einem Moment auf den anderen nicht mehr verträgt.

Diät: Trotz der handelsüblichen hypoallergenen Diäten gelingt es nicht, den Hund symptomfrei zu bekommen. Kann das sein, dass er auch auf diese hypoallergenen Futtermittel allergisch reagiert?

Ja, dies ist durchaus möglich, da es Allergiker gibt, die prinzipiell keine kommerziellen Diäten vertragen. Dies kann auch noch zusätzlich an Lagerung, Herstellung etc. liegen. U.a. spielen dabei Vorratsmilben eine Rolle. Bei diesen Patienten ist es sinnvoll, auf eine hausgekochte Diät umzusteigen (z.B. Pferdefleisch und Kartoffel). Außerdem gibt es mittlerweile einige Studien, die belegen, dass kommerzielle Futtermittel mit Fremdallergenen kontaminiert sein können.

Futtermittelintoleranz: Kann man sie auch mittels Futtermittelallergietest nachweisen? Wie ist bei Verdacht vorzugehen?

Da eine Futtermittelintoleranz nicht Antikörper-vermittelt ist, kann sie mit dem herkömmlichen serologischen Futtermittel-Test nicht erkannt werden. Bei Verdacht sollte das Tier daher immer eine Eliminationsdiät durchlaufen. Die Mechanismen der Futtermittelintoleranz sind komplex: Futtermittelvergiftung (Toxine im Futter), pharmakologische Intoleranz (z.B. Schokoladevergiftung), pseudoallergische Mechanismen (Histamin-mediiert: hoher Histamingehalt im Futter), metabolische Reaktionen (Laktoseintoleranz), Futteridiosynkrasie (ähnlich Futtermittel-Allergie, aber kein immunologischer Mechanismus z.B. Futtermittelzusatzstoffe) und Intoleranz auf Disaccharide können eine Rolle spielen. Eine klassische Futtermittelallergie dagegen ist Antikörper-vermittelt und die Allergene können über serologische Tests nachgewiesen werden.