Anti-Müller-Hormon

- Differenzierung: kastriert, unkastriert oder krytorchid

- Diagnostik von Granulosa-Zell-Tumoren bei der Stute

Das Anti-Müller-Hormon (AMH) ist ein Glykoprotein, welches während der Embryonalentwicklung eine wichtige Rolle bei der sexuellen Differenzierung spielt.

Beim männlichen Tier bewirkt Testosteron die Entwicklung der Wolffschen Gänge, während AMH für die Regression der Müllerschen Gänge benötigt wird.

Beim weiblichen Tier wird AMH während der sexuellen Differenzierung nicht exprimiert, so dass eine normale Entwicklung des weiblichen Genitaltraktes möglich ist. Nach der Geburt wird AMH beim weiblichen Tier von den Granulosazellen preantraler und kleiner antraler Follikel sezerniert. AMH inhibiert dabei die Weiterentwicklung primordialer Follikel und vermindert die Ansprechbarkeit wachsender Follikel auf FSH.

Pferd

In der Humanmedizin wird die AMH-Bestimmung zur Diagnose von Granulosa-Zell-Tumoren (GZT) eingesetzt. Da bei der Stute der GZT (Abb.1) der am häufigsten diagnostizierte Tumor des Genitaltraktes ist (ca. 85% der Tumoren der Fortpflanzungs-organe), lag es nahe, diesen diagnostischen Ansatz auch für die Stute zu verfolgen. Aufgegriffen wurde dieser Gedanke von B. A. Ball et al., die erstmals auf der AAEP Annual Convention im November 2011 Ergebnisse von Untersuchungen an Pferden vortrugen. Der Arbeitsgruppe gelang es, einen Test für Pferde zu etablieren und zu validieren.

AMH blieb über den Zyklus unverändert, zeigte aber individuelle Unterschiede zwischen den Stuten (0,22–2,94 ng/mL).
Die AMH-Konzentrationen lagen bei nicht-tragenden Stuten geringfügig über denen der tragenden Stuten.
Ovarektomierte Stuten wiesen deutlich niedrigere AMH-Spiegel (<0,1 ng/mL) und Stuten mit GZT deutlich höhere Hormon-Konzentrationen (> 14,0 ng/mL) als normale Stuten auf.
Bezüglich der Diagnose von GZT erzielte der Test eine Sensitivität von 95%, was deutlich über den bis dahin verwendeten Tests auf andere Hormone lag. Bei der Untersuchung von Inhibinkonzentrationen rechnet man mit einer Sensitivität von 85%, bei Einsatz der Testosteron-Bestimmung liegt die Sensitivität bei 55%. Andere Ovartumoren (Karzinome, Adenome etc.) werden durch die AMH-Bestimmung nicht erfasst.

Beim Hengst wird AMH in den Sertolizellen exprimiert; es bleibt bis zur Pubertät hoch und fällt dann mit steigender Testosteronproduktion ab. Dennoch lassen sich Hengste und Kryptorchiden über AMH-Bestimmung eindeutig von kastrierten Tieren unterscheiden (Tab. 1). Die AMH-Konzentration ist beim männlichen Tier ein nützlicher Biomarker für das Vorhandensein testikulären Gewebes und kann so zur Kryptorchismus-Diagnostik eingesetzt werden. Dieser Test ist dabei auch bei jungen kastrierten Tieren einsetzbar – im Gegensatz z.B. zur Östronsulfat-Bestimmung.

Hund & Katze

Die Diagnose kastriert versus nicht kastriert stellt beim weiblichen Tier, gerade bei Tieren mit unklarer Vorgeschichte, wie z.B. bei Fundtieren, eine Herausforderung dar. Auch hier kann mittels der AMH-Bestimmung sowohl bei Hündinnen als auch bei Katzen eine Diagnose herbeigeführt werden. Die Hündinnen sollten zum Zeitpunkt der Untersuchung mindestens 6 Monate alt sein. Der Zyklusstand- auch Anöstrus- hat dagegen keinen Einfluss auf die Interpretierbarkeit. Die Notwendigkeit, einen dynamischen Test durchzuführen, entfällt!
Entsprechendes gilt für Rüden und Kater: hier kann die AMH-Bestimmung zur Kryptorchismusdiagnostik herangezogen werden. Da die AMHSekretion in den Sertolizellen erfolgt, weisen AMH-Konzentrationen über dem vorgegebenen Grenzwert auf das Vorhandensein von Hodengewebe hin (Tab. 1).

Testablauf

Bei dem Test handelt es sich um einen ELISA, der einmal wöchentlich bei uns im Labor durchgeführt wird. Als Material wird Serum oder Lithium-Heparin- Plasma benötigt. Die Probe sollte zeitnah abzentrifugiert und, zellfrei abpipettiert werden. Eine Kühlung wird empfohlen.

05 / 2012

LABOKLIN Aktuell

Abb.1: Granulosazelltumor einer 9-Jahre alten Stute


Tab. 1: Grenzwerte der AMH-Konzentrationen im Serum verschiedener Spezies

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