Abbildung 1. Hautläsion (A, B) sowie vergrößerte Axillar- (C) und Inguinallymphknoten (D).
Abbildung 2. Zytologisches Bild der FNA aus dem axillären Lymphknoten (Modified Wright Färbung, 500fache Vergrößerung).

Kutane Läsion bei einem Streifenhörnchen (Eutamias sibiricus)

1Antonio Meléndez-Lazo DVM MSc PhD DipECVCP MRCVS

2Laura Vilalta Soler DVM DipECZM (Small mammals)

 

1LABOKLIN Labor für Klinische Diagnostik, Bad Kissingen (Germany)

2Universidad Católica de Valencia, Valencia (Spain)

 

SIGNALEMENT UND ANAMNESE

Ein 9 Jahre altes, männliches Streifenhörnchen (Eutamis sibiricus) mit 77g Körpergewicht wurde mit einer Hautläsion die seit einem Monat bestand, vorgestellt.

Die Läsion war zuerst am rechten Vorderbein aufgetreten und hatte sich kurz vor Vorstellung auf den Halsbereich ausgeweitet. Der Patient zeigte starken Juckreiz und Belecken der betroffenen Stelle.

 

KLINISCHE UNTERSUCHUNG

Die klinische Untersuchung ergab, außer der veränderten Hautstelle, vergrößerte Körperlymphknoten. In der dermatologischen Untersuchung fiel eine generalisierte Rötung der Haut und multiple alopezische Hautbereiche sowie eine erosiv-ulzerative Läsion vom Hals- und Schulterbereich aus. Zusätzlich fanden sich zahlreiche gelb-braune Krusten um die Läsion (Abbildung 1).

UNTERSUCHUNGEN

 

Blutbild und klinische Chemie

Im Blutbild zeigte sich eine hochgradige Anämie, Leukopenie und Thrombozytopenie.

Die klinische Chemie war unauffällig.

 

Dermatologische Untersuchung

-          Zytologie aus einem Abklatschpräparat der kutanen Läsion: neutrophile Entzündung mit bakterieller Infektion

-          Trichoskopie: normale Haarschäfte mit trauma-assoziierter Schädigung

-          Untersuchung mittels Woodscher Lampe: negative für Pilze

 

Zytologie

Aus dem axillären Lymphknoten wurde ein Feinnadelaspirat (FNA) zytologisch untersucht (Abbildung 2).

Sonstiges

-          Röntgenologische Untersuchung: unspezifische (alterstypische) Veränderungen sowie vergrößerte Lymphknoten

-          Pilzkultur: negativ

Abbildung 3. Histologisches Bild der Hautläsion. A H&E Färbung. B Immunhistologisches Bild (CD3) der Hautläsion
Abbildung 3. Histologisches Bild der Hautläsion. A H&E Färbung. B Immunhistologisches Bild (CD3) der Hautläsion

Was ist Ihre Interpretation der zytologischen Befunde?

Es fand sich eine Zellpopulation aus überwiegend großen Lymphozyten (Querschnitt >3mal der Durchmesser eines Erythrozyten). Die Lymphozyten zeigten einen erhöhten Zytoplasmagehalt und häufig eine perinukleäre Aufhellung. Die meist exzentrisch gelegenen Kerne waren rund bis oval, teilweise gekerbt und hatten ein feinretikuläres bis klumpiges Kernchromatin. Es fanden sich ein bis mehrere Nukleolen pro Zellkern.

Kleine Lymnphozyten waren in geringer Anzahl vorhanden.

Die Befunde waren vereinbar mit einem Lymphom.

 

Was ist die wahrscheinlichste Ursache der hämatologischen Befunde?

Die wahrscheinlichste Ursache der Panzytopenie ist eine Infiltration des Knochenmarks mit neoplastischen lymphatischen Zellen. Für eine genaue Diagnose ist jedoch die Untersuchung des Knochenmarks notwendig.

 

Welche weiterführenden Tests würden Sie zur genauen Diagnose der Hautläsion durchführen?

Zur weiterführenden Diagnostik ist eine Biopsie der Hautläsion mit histopathologischer Untersuchung und gegebenenfalls mit Immunhistologie, angeraten.

 

 

Es wurden drei 4 mm große Stanzbiopsien aus der Haut (Rumpf, rechten Vorderbein und Abdomen) entnommen und histopathologisch (Hematoxilin &Eosin (H&E) Färbung) untersucht. Zusätzlich erfolgte eine immunhistologische Untersuchung (CD3 /CD20).

Die histopathologische Untersuchung ergab eine diffuse Infiltration mit neoplastischen Rundzellen im Bereich der oberflächlichen und mittleren Dermis sowie des oberflächlichen Epithels und dem Epithel der Adnexe (Abbildung 3A) mit Epitheltropismus und Bildung von Pautrier’s Mikroabszessen. In der immunohistologischen Untersuchung zeigten die neoplastischen Lymphozyten ein stark positives Signal für den T-Zellmarker CD3 (Abbildung 3B) jedoch kein Signal für den B-Zellmarker (CD20). Aufgrund dieser Befunde wurde die Diagnose eines kutanen epitheliotropen T-Zelllymphoms (CETL), Subtyp Mycosis fungoides (MF), gestellt.

 

DIAGNOSE: Kutanes epitheliotropes T-Zelllymphom

 

 

THERAPIE UND VERLAUFSKONTROLLE

Die Besitzer lehnten eine Chemotherapie ab. Daher wurde eine Behandlung mit Prednisolon (0,5 mg/kg zweimal täglich oral) und Doxyzyklin (5mg/kg einmal täglich oral) eingeleitet.

 

Nach 6 Wochen hatte sich der Gesundheitszustand des Patienten weiter verschlechtert und die Erkrankung war weiter fortgeschritten. Aufgrund der geringen Therapieantwort und der damit verbundenen schlechten Prognose und Lebensqualität wurde der Patient euthanasiert.

Eine Sektion des Streifenhörnchens wurde vom Besitzer abgelehnt.

 

 

ZUSAMMENFASSUNG

Kutane Lymphome sind eine seltene maligne kutane Neoplasie. Histologisch können eine epitheliotrope und nicht-epitheliotrope Form unterschieden werden. Der epitheliotrope Typ hat seinen Ursprung meist in den T-Lymphozyten (CETL) und zeigt einen Tropismus für die Epidermis und die Adnexe.  Diese Lymphomform wurde bei verschiedenen Säugetierspezies wie Hunde, Katzen, Pferde, Rinder, Beuteltiere, Igel, Frettchen, Kaninchen und Nagetieren (Meerschweinchen, Hamster und Gerbil), beschrieben. Üblicherweise tritt die Erkrankung bei älteren Tieren auf und es scheint keine Geschlechtsdisposition vorzuliegen. Das klinische Bild eines CETL ist sehr variabel und es erscheint häufig ähnlich zu verschiedenen Dermatosen. Die Prognose ist meist schlecht.

Im vorliegenden Fall war das Vorliegen der neoplastischen Lymphozytenpopulation in den Lymphknoten vermutlich auf die Ausbreitung des CETL zurückzuführen.