Infektiöse Hautveränderungen bei Reptilien

Reptilien, die als Haustiere gehalten werden, werden in der Praxis häufig aufgrund unterschiedlichster Hautveränderungen vorgestellt. Die Ursachen hierfür sind breit gefächert und oft multifaktorieller Natur. Vorrangig anzusprechen sind v.a. Fehler bei der Haltung, wie z.B. das Temperatur- und Luftfeuchtigkeitsmanagement, ungeeignete Terrarieneinrichtungen oder Hygienemängel. Eine umfassende Anamnese und eine genaue Diagnostik ist hier für eine erfolgreiche Behandlung unerlässlich.

Dieses Laboklin aktuell soll Ihnen einen kurzen Einblick in die wichtigsten infektiösen Ursachen (exkl. parasitologische) für Hautveränderungen liefern. Mischinfektionen sind häufig anzutreffen und der Verlauf einer infektiösen Dermatitis hängt von vielen Faktoren ab. Für die Ursachenforschung ist es empfehlenswert, Untersuchungen wie Zytologie und Pathohistologie in Kombination mit dem direkten Erregernachweis durchzuführen und diese Ergebnisse im Kontext mit dem klinischen Bild zu interpretieren.

Virale Ursachen
Einige Viren werden häufig in Zusammenhang mit Hautveränderungen bei Reptilien gefunden. In manchen Fällen werden diese als primäre Ursache angesehen, in anderen ist die Rolle der Viren bei der Entwicklung und dem Verlauf der Erkrankung weniger deutlich.

Iridoviridae
Bei Reptilien kommen Iridoviren der Genera Ranavirus und Iridovirus vor. Beide sind im Zusammenhang mit Hautveränderungen, v.a. bei Echsen, beschrieben worden.

Ranaviren
Ranaviren können Amphibien, Fische und diverse Reptilienspezies infizieren. Bei Reptilien sind sie am häufigsten bei Schildkröten beschrieben, aber Hautläsionen, die durch Ranaviren verursacht wurden, kommen v.a. bei Echsen vor. Diese können sich in subkutanem Halsödem, Dermatitis oder Abszessen äußern. Schwere bis tödliche Verläufe, abhängig von diversen Faktoren, sowie inapparente Infektionen sind beschrieben.

Iridoviren (Invertebraten-Iridoviren – IIV)
IIV werden v.a. bei Echsen nachgewiesen. Bei Futtertieren (z.B. Grillen) kommen sie regelmäßig vor und eine Übertragung von Insekten auf Reptilien wird vermutet. Ob IIV Auswirkungen auf die Gesundheit infizierter Reptilien hat ist unbekannt. Dennoch werden sie dort regelmäßig u.a. in Hautproben, v.a. von Echsen, mit verschiedenen Hautläsionen, wie pockenartigen Läsionen oder Verlust von Schuppen, nachgewiesen.

Herpesviridae

Herpesviren werden v.a. bei Schildkröten nachgewiesen. Dort spielen verschiedene Viren mit unterschiedlichen Wirtsspezifitäten eine Rolle. Einige davon sind mit Hautveränderungen assoziiert. Herpesvirusinfektionen bei Meeresschildkröten gehen häufig mit Hautveränderungen einher, wie z.B. der Fibropapillomatose. Auch bei Wasserschildkröten und Echsen mit Herpesvirusinfektionen sind papillomatöse Läsionen beschrieben. Ulzerative Hautläsionen sind im Einzelfall bei Reptilien beschrieben. Bei Krokodilen kommen Herpesviren im Zusammenhang mit lymphozytären Hautinfiltraten vor.

Papillomaviridae
Papillomaviren sind sehr wirtsspezifisch und Gewebe-assoziiert. Infektionen gehen mit der Bildung von Papillomen und Hautwucherungen einher. Bei Reptilien sind sie in Einzelfällen bei verschiedenen Spezies beschrieben worden.

Poxviridae

Pockenviren werden überwiegend bei Krokodilen beschrieben. Bei verschiedenen Schildkrötenspezies mit Hautveränderungen konnten ebenfalls Pockenviren nachgewiesen werden. Bei einer Echse sind ulzerative Hautläsionen beschrieben worden.

Reoviridae
Reoviren sind v.a. bei Schlangen und Echsen bei Erkrankungen des Intestinaltraktes, des zentralen Nervensystems und des unteren Respirationstraktes beschrieben. Reovirusinfektionen sind aber auch bei Papillomen sowie nekrotisierender und ulzerativer Dermatitis beschrieben.

Arenaviridae und inclusion body disease (IBD)
Bei Reptilien vorkommende Arenaviren werden dem Genus Reptarenavirus zugeordnet. Spezies dieses Genus wurden bislang nur bei Schlangen nachgewiesen. Bei Boas und Pythons verursachen sie die inclusion body disease (IBD). Die IBD kann sich sehr unterschiedlich darstellen, v.a. durch neurologische, gastrointestinale und respiratorische Symptome. Insbesondere bei Boas werden ebenfalls regelmäßig Hautläsionen beobachtet. Diese können unterschiedlich ausgeprägt sein und von Häutungsproblemen bis hin zu großflächigen Dermatitiden reichen.

Mykologische Ursachen

Dermatomykosen sind häufig sekundär bedingt und treten erst nach Immunsuppression auf. Klinisch können sie einer bakteriellen Infektion ähneln, wobei hier zur Differenzierung die kulturelle Diagnostik ein wichtiges Mittel ist. Es gibt jedoch einige primär pathogene Pilze, die regelmäßig bei Reptilien nachgewiesen werden, v.a. aus der Ordnung Onygenales. Eine klinische Infektion zeichnet sich im Allgemeinen durch lokalisierte, krustöse, gelbe bis braune Hautläsionen, Bläschenbildung und hyperkeratotische bis nekrotisierende Hautareale aus. Bei Schlangen spielen Infektionen mit Ophidiomyces ophidiicola sowohl bei Wildtieren als auch bei Haus- und Zootieren eine Rolle. Dieser Pilz verursacht die sogenannte „snake fungal disease“ oder auch Ophidiomykose und scheint ein breites Wirtsspektrum bei Schlangen zu haben. Infizierte Tiere entwickeln häufig eine krustige Dermatitis, die in vielen Fällen um den Kopf verteilt auftritt. Tiefgreifende Mykosen sind ebenso möglich. Bei manchen Tieren zeigen sich weniger ausgeprägte Veränderungen, z.B. Farbveränderungen oder Knötchenbildung unter der Haut. Weniger stark betroffene Tiere können nach der Häutung zeitweise symptomfrei sein. Bei Echsen, v.a. Agamen, verursachen Infektionen mit Pilzen der Gattung Nannizziopsis, v.a. Spezies wie N. guarroi, N. dermatitidis oder N. vriesii, schwere Hautveränderungen und systemische Erkrankungen. Sie wurden früher CANV (Chrysosporium anamorph of Nannizziopsis vriesii) genannt und die damit verbundene Krankheit als „yellow fungus disease“ bezeichnet. Allerdings ist der Begriff Nannizziomykose vorzuziehen. Klinisch zeigt sich eine krustöse Dermatitis, die auch in tiefliegendes Gewebe übergreifen kann. Auch im Zusammenhang mit Dermatitiden bei Krokodilartigen und Schildkröten gibt es einzelne Berichte über Infektionen mit verwandten Dermatophyten.

Bakteriologische Ursachen
Bakterielle Hautinfektionen bei Reptilien sind meist Folge systemischer Erkrankungen oder von Haltungsfehlern. Klinisch können sich diese als Dermatitis oder Abszesse darstellen. Bakterielle Erreger können sich primär oder durch hämatogene Streuung in der Haut ansiedeln. Das nachgewiesene Keimspektrum in Hautläsionen bei Reptilien kann sehr variabel sein. Die klinische Relevanz von in Hautläsionen nachgewiesenen Bakterien muss für jeden Fall einzeln beurteilt werden. Es sind nur wenige primär pathogene Bakterien als Ursache für eine Dermatitis bekannt. Devriesea agamarum, ein grampositives Stäbchenbakterium, wird bei Echsen, v.a. bei Dornschwanzagamen, isoliert. Dieses Bakterium wird mit Dermatitiden, meist chronisch proliferativen und schuppigen Veränderungen, sowie Septikämien in Zusammenhang gebracht. Es gibt auch diverse Krankheitskomplexe, assoziiert mit verschiedenen Bakterienspezies, bei denen typische Hautveränderungen vorkommen. Bei Schildkröten kommt die den Panzer betreffende „septicemic cutaneous ulcerative disease“ (SCUD) vor. Dieses Syndrom wird häufig mit einer Mischinfektion verschiedener, potentiell pathogener Bakterien, v.a. Citrobacter spp., gesehen.

Lisa Schüler und PD Dr. Rachel Marschang

Tabelle: Häufige Ursachen infektiöser Hautveränderungen bei als Haustiere gehaltenen Schildkröten, Echsen und Schlangen siehe Bilder r.o.

06 / 2021

LABOKLIN Aktuell

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Abbildung 1: Pantherchamäleon (Furcifer pardalis), multiple Papillome. Dr. Janosch Dietz, Laboklin GmbH


Abbildung 2: Königsboa (Boa constrictor), Papillome Dr. Janosch Dietz, Laboklin GmbH


Tabelle: Häufige Ursachen infektiöser Hautveränderungen bei als Haustiere gehaltenen Schildkröten, Echsen und Schlangen

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