Antibiose bei Haut- und Wundinfektionen     Antibiose bei Haut- und Wundinfektionen PDF (431 KB)
 

 
 

Die Anwendung von Antibiotika macht eine genaue Diagnose erforderlich, basierend auf klinischer Untersuchung und wenn erforderlich, durch weitere diagnostische Untersuchungen, Immunstatus, epidemiologische Gesichtspunkte, Erfahrung und Sachkenntnis. Der Einsatz von Antibiotika ist nur zur Therapie und Metaphylaxe, nicht zur Prophylaxe. Vor Behandlung empfiehlt sich eine mikrobiologische Untersuchung mit Keimdifferenzierung. In Fällen, in denen das klinische Bild auf keinen definierten Keim mit bekannter Resistenzlage schließen lässt, ist die Erstellung eines Antibiogramms angezeigt. Können zur Behandlung einer bakteriellen Infektion mehrere Antibiotika eingesetzt werden, ist das mit dem schmalsten Spektrum und der größten therapeutischen Breite und falls erforderlich mit einer guten Gewebegängigkeit auszuwählen.
 
Die Anwendung von Antibiotika soll entsprechend den Zulassungsbedingungen erfolgen. Jede Abweichung (Dosis, Applikationsart, Indikation, Tierart) muss begründet sein. Die Therapiedauer ist so kurz wie möglich, jedoch ausreichend lange zur Bekämpfung der Infektion in Einzelfall zu wählen. In den meisten Fällen ist es zur Therapie oder Metaphylaxe bakterieller Infektionen ausreichend, die Antibiotika drei bis sieben Tage zu verabreichen. Bei manchen Indikationen kann bei Einzeltieren jedoch auch eine länger dauernde Antibiotikatherapie erforderlich sein, z. B. bei Osteomyelitis, tiefer Pyodermie, Infektionen der oberen Harnwege oder Infektionen mit hoher Rezidivneigung. (-->Antibiotikaleitlinien BTK) 
      

Hautinfektionen
 

Bei Pyodermien des Hundes werden hauptsächlich Staphylokokken isoliert, in mehr als 90% der Fälle S. pseudintermedius. Dieser Keim ist zum einen ein gewöhnlicher Besiedler der Haut, kann aber andererseits durch begünstigende äußere Einflüsse lokale bzw. systemische Infektionen hervorrufen, wie Pyodermie, Otitis, Wundinfektion, Cystitis und Konjunktivitis. Begünstigende Faktoren für das Entstehen einer Pyodermie sind zum Beispiel Erhöhung der Hauttemperatur (hohe Außentemperaturen, dunkles Fell etc.); Ektoparasiten und Allergien, die durch den Juckreiz zur Schädigung der Haut führen und sekundäre Pyodermien verursachen können; erhöhte Feuchtigkeit der Haut (dichtes Fell, Entzündungen, Verbände) und Störungen des Immunsystems. Mikrobiologische Untersuchungen inkl. eines Antibiogrammes sind vor allem bei tiefen Pyodermien, bei antibiotisch vorbehandelten Tieren und hinsichtlich steigender Zahlen Methicillin-resistenter S. pseudintermedius zu empfehlen.


Kruste
Kruste

bakterielle Follikulitis
bakterielle Follikulitis


Die Behandlungsdauer bei Pyodermien beträgt 3 Wochen bzw. 1-2 Wochen über die Remission hinaus.
Der Therapieerfolg sollte auf jeden Fall palpatorisch kontrolliert werden, da die oberen Hautschichten oft besser aussehen als dies in der Tiefe der Fall ist (gegebenenfalls ist auch eine Biopsie sinnvoll).

Resistenzlage S. pseudintermedius
 Resistenzlage S. pseudintermedius

Resistenzlage methicillinresistenter S. pseudintermedius
 Resistenzlage methicillinresistenter S. pseudintermedius

     

 Wundinfektionen:
 

Unter einer Wundinfektion versteht man den Eintritt von Mikroorganismen in eine Wunde mit den charakteristischen Zeichen einer lokalen Entzündung. Die häufigste Ursache ist eine Besiedlung mit Bakterien. Seltener können auch Viren, Pilze oder Parasiten für eine Wundinfektion verantwortlich sein. Ob es letztendlich zu einer Infektion kommt ist abhängig von der Art und Anzahl der Erreger aber vor allem von dem Immunstatus des Patienten.

Wunden werden klassifiziert in:
- Saubere Wunden;
- sauber-kontaminierte Wunden;
- kontaminierte Wunden,
- schmutzig, infizierte Wunden.

Wundinfektionen Hund
Wundinfektionen Hund

Wundinfektionen Katze
Wundinfektionen Katze

Risikofaktoren für Wundinfektionen sind zum einen patienteneigene Faktoren wie z. B. hohes Alter, reduzierter Allgemeinzustand, Grunderkrankungen wie Diabetes mellitus, Endokrinopathien sowie eingeschränkte Immunkompetenz, Chemotherapie etc. Desweiteren gibt es operationstechnische Risikofaktoren: Zeitpunkt der Rasur, unzureichende, falsche Hautdesinfektion, Dauer der OP, Dauer der Anästhesie, Erfahrung des Operateurs.


Im Jahre 2008 wurden insgesamt 578 Wundtupfer untersucht; ca. 70% davon waren mikrobiologisch positiv.


 

Der häufigste beim Hund nachgewiesene Keim ist S. pseudintermedius, gefolgt von E.coli, S. aureus bzw. MRSA. Bei der Katze wurde am häufigsten Pasteurella sp. isoliert, gefolgt von E.coli, S. pseudintermedius, S.felis, S. aureus bzw. MRSA.





Aufgrund der immer weiter ansteigenden Resistenz bei den Staphylokokken vor allem bei Staphylococcus aureus (MRSA = Methicillin resistenter S. aureus) und Staphylococcus pseudintermedius (MRSP = Methicillin resistenter S. pseudmedius) ist eine Keimdifferenzierung mit Erstellung eines Antibiogrammes unabdingbar. Bei den koagulase positiven Staphylokokken (S. aureus, S. pseudintermedius) beträgt der Anteil an MRSA Stämmen 3,2% und bei den MRSP Stämmen 8,1%. Methicillin resistente Staphylokokken sind potentiell resistent gegen ß-lactam Antibiotika (Penicilline, Cephalosporine, Carbapeneme), bei multiresistenten Stämmen sind weitere Antibiotikagruppen von der Resistenz betroffen. Wie im folgenden zu sehen ist die Resistenzlage bei Methicillin sensiblen und Methicllin resistenten Stämmen sehr unterschiedlich.



Resistenzlage S. aureus
 Resistenzlage S. aureus
 

Resistenzlage methicillin resistenter S. aureus (MRSA)
 Resistenzlage methicillin resistenter S. aureus (MRSA)


 Fazit
 

Zunehmend wird das Auftreten von S. aureus und S. pseudintermedius beobachtet, die gegen Methicillin resistent sind, den sogenannten MRSA und MRSP Stämmen. Sie gehören zu den Erregern nosokomialer Infektionen ebenso wie z. Bsp. ESBL- produzierende Enterobakteriaceae. Entscheidende Faktoren für die Vermeidung solcher Infektionen sind die Aufklärung des Personals, die Etablierung eines Hygienekonzeptes unter besonderer Berücksichtigung der Händehygiene, sowie ein verantwortungsvoller Umgang mit Antibiotika.
 
Die Händehygiene ist die einfachste, günstigste und vor allem effektivste Maßnahme um nosokomiale Infektionen zu verhindern. Desweiteren Resistenzmonitoring und Surveillance Programme, um einen Überblick über den aktuellen Stand und die Entwicklung zu haben. Eine Kooporation mit der Humanmedizin ist wichtig, um eine gemeinsame Strategie im Kampf gegen multiresistente Erreger zu finden. 
      

 

 

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